Island im Herbst 2022

Endlich wieder Unterwegs sein können nach Corona.

Ein langjähriger Traum von mir geht in Erfüllung - zwei Wochen Rundreise durch Island.

Wir haben uns für den Herbst entschieden, weil wir auf weniger Menschen und mehr Herbstfarben hoffen, auch wenn das Wetter dann schon etwas unbeständiger sein kann.

Was in Island unbeständiges Wetter bedeutet werden wir im Laufe der Reise noch erfahren…

Tag 1 - Ankunft

Los geht es mit einem Direktflug von München nach Keflavik Mitte September.

Wir sitzen auf der Seite auf der das Gepäck verladen wird und ich sehe dass unsere Koffer mit ein paar anderen noch draußen stehen - aber zum Glück erbarmt sich noch ein Mitarbeiter und auch unsere Koffer verschwinden im Bauch des Fliegers.

Der Flug ist mit knapp vier Stunden relativ kurz, als Fotograf finde ich es nur Schade dass Island beim Anflug unter einer dicken Wolkendecke verborgen ist.

Bei der Landung werden wir gleich von Regen und Wind empfangen und sind froh dass das Umsteigen vom Flieger in den Flughafenbus relativ schnell geht. Wir sind vom Münchner Flughafen mit seinen Fluggastbrücken doch ziemlich verwöhnt…

 

Einreise und Gepäckabholung geht sehr schnell, da unsere Koffer als letzte Verladen wurden sind sie dafür mit die ersten auf dem Gepäckband.

Nach einem Anruf bei der Mietwagenfirma werden wir kurz darauf von einem freundlichen englischsprachigen Mitarbeiter abgeholt und zu unserem Mietauto, einen Toyota RAV 4, gebracht.

Obwohl die Mietwagenpreise auf Island recht hoch sind hatten wir uns schon bei der Buchung für das komplette Versicherungspaket entschieden, worüber wir im weiteren Verlauf der Reise doch sehr froh sind. Und ein Allrad ist eh ein absolutes Muss.

 

Auf dem Weg nach Reykjavik machen wir in Njarðvík einen Halt beim Bonus, dem isländischen Aldi, um uns mit den nötigsten Lebensmitteln einzudecken.

Außerdem gönnen wir uns noch einen Imbiss bei Issi Fish & Chips, da die meisten Isländer Englisch sprechen klappt die Verständigung ohne große Problem.

Auch die Fahrt nach Reykjavik mit für isländische Verhältnisse viel Verkehr und den für uns ungewohnten Kreisverkehrregeln (die innere Spur hat beim Abbiegen Vorfahrt!) verläuft ohne Zwischenfälle. Die erste Aufregung (fremdes Auto im fremden Land) legt sich langsam.

 

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Norden , deshalb haben wir ein kleines Hotel östlich vom Stadtzentrum gebucht um nicht gleich am Anfang unserer Reise im Stau zu stehen.

Beim einchecken werden wir gleich mit einer typisch isländischen Vorgehensweise in kleineren Unterkünften vertraut gemacht: Im Eingangsbereich liegt ein Umschlag mit unseren Namen, darin die Zimmerschlüssel und eine kurze Anleitung. Von der Vermieterin keine Spur zu sehen.

Und wir merken dass „kleines Zimmer“ in Island auch wirklich klein bedeutet, wir finden gerade so Platz für unsere Koffer, statt Kleiderschrank gibt es eine etwas größere Garderobe.

Da es weiterhin regnet und es eh schon dunkel ist sparen wir uns die Stadtbesichtigung. Wir kaufen nur beim nächsten Bäcker Brot und Zimtschnecken und gehen nach einer kleinen Brotzeit frühzeitig ins Bett.

Tag 2 - Fahrt nach Snæfellsnes

Beim Aufstehen sehen wir dass sich das Wetter nicht gebessert hat. Trotzdem beschliessen wir vor der Weiterfahrt noch einen Rundgang durch Reykjavik zu machen. Allerdings wird der Regen immer stärker, meine Kamera bleibt sicher eingepackt im Rucksack und wir flüchten uns schnell in  die moderne Konzerthalle Harpa am Hafen. Wir warten bis der Regen wieder etwas nachlässt und gehen dann vorbei an der Wikingerschiffskulptur Sólfar zurück zum Hotel.

 

Bei der Abfahrt versorgen wir uns in der Mosfellsbakarí noch mit Unterwegsverpflegung, dann verlassen wir auf großen autobahnähnlichen Straßen Reykjavik.

Auf der Fahrt nach Norden wird die Straße schnell schmaler und der Verkehr weniger, wir nehmen den Tunnel unter den Hvalfjörður und biegen kurz vor Borganes Richtung Osten ab.

Unser erstes Ziel sind die Hraunfossar, aber vorher stärken wir uns noch bei den heißen Quellen Krauma westlich von Reykholt mit einer warmen Suppe und kaufen Tomaten aus den dortigen Gewächshäusern.

Bei den Hraunfossar haben wir Glück, zwei Reisebusse sind gerade beim Aufbrechen. Es sind aber immer noch einige Leute unterwegs, die vielen kleinen Wasserfälle sind wirklich beeindruckend, und trotz des anhaltenden Regens leuchtet die Vegetation drumherum.

Wir machen auch noch den Abstecher zum Barnafoss und kehren dann ziemlich durchnässt zum Parkplatz zurück wo gerade der nächste Bus ankommt.

Dann begeben wir uns auf die lange und regnerische Fahrt nach Hellnar an der Südküste von Snæfellsnes, wo wir im Fosshotel für zwei Nächte Quartier beziehen und auch noch ein gutes wärmendes Abendessen bekommen.

Tag 3 - Rundfahrt Snæfellsnes

Der Tag startet mit dem typischen isländischen Wetter - windig und feucht. Aber das Regenradar verspricht trockene Abschnitte im Norden der Halbinsel, und so starten wir unsere Rundfahrt zu den Sehenswürdigkeiten von Snæfellsnes.

Unser erster Stop ist Malarrif mit den Felszinnen Lóndrangar, Überreste eines Vulkanschlotes direkt am Meer. Da es am Parkplatz nicht regnet beschließen wir einen Spaziergang zu den Felszinnen zu machen, werden aber bald vom nächsten Regenschauer eingeholt. Neben den Klippen faszinieren uns hier insbesondere die vielen verschiedenen Grüntone der von Moos überwucherten Lavasteine.

Nächster Halt ist am schwarzen Lavastrand Djúpalónssandur. Bei den vielen verwunschenen Lavagebilden würden es uns nicht wundern wenn gleich ein Troll ums Eck gebogen kommt. Am Strand bieten die bunten Algen und die verrosteten Überreste eines hier gestrandeten Trawlers ein paar Farbkleckse.

Auf der Weiterfahrt zum Krater Saxhóll füllt sich die Straße langsam mit Tagestouristen aus Reykjavik und - oh Wunder - es kommt die Sonne raus. Auf den Krater selber führt eine lange Eisentreppe, von oben hat man einen super Rundblick zur Küste und zum Snæfellsjökull - wenn dieser nicht hinter Wolken verborgen wäre.

Beim nächsten Abstecher sind wir sehr froh über unseren Allrad. Zuerst noch auf einer einspurigen geteerten Straße geht es zum weißen (!) Strand Skarðsvík, danach auf einer üblen Jeeppiste zu den Leuchttürmen Öndverðarnes und Skálasnagi. Hier ist überraschend viel los, aber mit einem Mietwagen kommt man ja bekanntlich überall hin. Die Klippen sind wirklich sehenswert, auch wenn viele der hier nistenden Seevögel schon wieder abgereist sind.

Weiter geht es entlang der Nordküste von Snæfellsnes nach Hellissandur, wo wir uns an der Tankstelle mit einem Hotdog und einer Suppe stärken. Dann weiter zum Wasserfall Svöðufoss und schließlich zu DEM Instagramm-Hotspot, dem Berg Kirkjufell mit Wasserfall im Vordergrund. Trotz inzwischen wieder einsetzenden Regens ist der gebührenpflichtige Parkplatz sehr voll, u.a. auch ein paar Reisebusse. Und ja, der Blick mit Wasserfall und Berg ist sehr schön, auch wenn es aufgrund des Andrangs schwierig ist ein Foto ohne Menschen im Vordergrund hinzubekommen.

Da der Regen wieder deutlich stärker geworden ist und die Wolken sehr tief hängen sparen wir uns die Abkürzung über die kleine Bergstraße und fahren entlang der Küste zurück nach Hellnar.

Tag 4 - Wanderung nach Arnarstapi und Weiterfahrt nach Hvammstangi

Da unsere heutige Fahrstrecke relativ kurz ist machen wir am Vormittag noch eine Küstenwanderung nach Arnarstapi. Diese führt uns durch mystische Lavafelder mit immer wieder beeindruckenden Ausblicken auf die Klippen und das Meer. Wir sind ganz alleine unterwegs, es würde uns aber nicht überraschen hier auf Orks zu treffen ...

Arnarstapi liegt dann sehr malerisch inmitten von Wiesen und wird bewacht von der riesigen Steinskulptur Bárður Snæfellsás. An der Küste steht in der Brandung der Steinbogen Gatklettur. Hier treffen wir wieder auf andere Touristen die mit Bussen von Reykjavík aus gestartet sind. Auf dem Rückweg nach Hellnar sind dann auch ein paar andere Wanderer unterwegs.

Auf der Weiterfahrt machen wir einen ersten Stop in Búðir, einen einst bedeutenden Handelsplatz, wo u.a. auch die Hanse eine Niederlassung hatte. Heute steht hier nur noch ein Hotel und als Touristenattraktion eine schwarze Holzkirche. Weiter geht es zum gut erschlossenem Wasserfall Bjarnafoss.

Bei Borganes erreichen wir dann wieder die Ringstraße, hier tanken wir und gönnen uns eine Pizza zum Mittagessen. Auf der Weiterfahrt nach Norden ist unser nächster Stop der Glanni-Wasserfall bei Bifröst.     Tatsächlich scheint hier kurz mal die Sonne und taucht die bunte Heidelandschaft in ein wunderbares Licht. Weiter geht es zum Krater Grábrók, den man über gut ausgebaute Holzstege und -treppen erkunden kann. Hier sehen wir zum ersten Mal einen Reisebus von "Berge und Meer" der uns in den nächsten Tagen noch öfters begegnen wird.

Beim Hrútafjörður erreichen wir dann die Nordküste Islands. Wenig später biegen wir Richtung Hvammstangi von der Ringstraße ab. Nördlich vom Ort ist unsere nächste Unterkunft, eine kleine Hütte direkt oberhalb am Miðfjörður gelegen. Diese ist wunderschön eingerichtet, und zum Abendessen genießen wir den  Sonnenuntergang über dem Fjord.

Tag 5 - Halbinsel und Hochebene

Heute steht als erstes die Umrundung der Halbinsel Vatnsnes auf dem Programm. Hier erfahren wir was es heißt wenn man kurz nach dem Regen ungeteerte Straßen benutzt - unser weißes Auto war nach wenigen Kilometern nicht wiederzuerkennen. Unterwegs gab es einen Blick auf einen Schafpferch, wo im Herbst die ansonsten freilaufenden Tiere eingefangen und sortiert werden. Dann haben wir eine Robbenkolonie besucht und schließlich die Hauptattraktion der Halbinsel: Hvítserkur. Dieser 15m hohe Basaltfelsen vor der Küste soll laut Sage ein versteinerter Troll sein, erinnert aber eher an einen Dinosaurier.

Auf der Weiterfahrt giebt es dann die isländische Straßenbauweise zu bewundern: Ein großer Muldenkipper verteilt Schotter, der dann mit einer Walze festgedrückt wird. Dazu wird die Straße komplett gesperrt bis    4-5 Autos warten, was in unserem Fall ca. 20 Minuten gedauert hat. Dann ist die Baustelle für einen Kleinwagen aber auch nur bedingt passierbar... 

Der nächste Stop ist  die bis zu 50m tiefe Schlucht Kolugljúfur inklusive Wasserfall. Danach geht es weiter nach Blönduós, wo für uns hauptsächlich die Tankstelle wichtig ist. Benzin, Toilette , warmes Essen (Lammeintopf) und Wasserschläuche zum Autowaschen. Was braucht man mehr...?

Weiter geht es auf der Ringstraße Richtung Osten, bei Varmahlíð machen wir noch einen Abstecher zum Museumshof Glaumbær. Dieser noch bis 1947 bewohnte Hof zeigt die früher in Island gebräuchlichen Torfhütten nebst zahlreicher Alltagsgegenstände aus alter Zeit. In der Hauptsaison soll es hier ziemlich zugehen, bei uns steht zum Glück nur ein uns schon bekannter deutscher Reisebus auf dem Parkplatz.

Dann geht es über die Hochebene Öxnadalsheiði weiter nach Akureyri. Eine wunderschöne Fahrt durch eine beeindruckende Landschaft, vereinzelte Wolkenlücken sorgen zudem für eine ganz besondere Stimmung. Bei Temperaturen unter Null sind wir auch sehr froh daß es trocken bleibt, einen Schneesturm hätten wir hier oben nicht haben wollen. In Akureyri angekommen beziehen wir unser Hotel und gehen dann noch Essen. Für die nächsten Tage der letzte größere Ort, da lohnt ein Besuch beim Asiaten.

Tag 6 - Der Norden Islands

Am Morgen können wir es kaum glauben: Die Sonne scheint, und es soll auch den ganzen Tag so bleiben. Wir brechen sehr früh auf und haben beim Losfahren noch einen schönen Blick auf Akureyri im Morgenlicht. Unser erster Stop ist am Goðafoss, ein großer Wasserfall direkt an der Ringstraße gelegen und entsprechend gut besucht. Heute sind wir mit die ersten Besucher, die Sonne zaubert einen wunderschönen Regenbogen und wir können ganz entspannt die besondere Stimmung genießen.

Zurück am Auto kommen auch die ersten Reisebusse an, für uns geht es weiter Richtung Norden nach Húsavík. Von hier starten zahlreiche Walbeobachtungsfahrten, wir genießen hauptsächlich den besonderen Flair dieser kleinen Hafenstadt und den herrlichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel am gegenüberliegenden Ufer. Bei der anschließenden Umrundung der Tjörnes-Halbinsel erreichen wir den nördlichsten Punkt unser Reise.

Die hufeisenförmige Ásbyrgi-Schlucht ist unser nächstes Ziel, angeblich entstanden durch einen Hufabdruck von Odins achtbeinigem Pferd Sleipnir. Uns begeistern einer der wenigen Birkenwälder Islands sowie die 100m hohe Abbruchkante am Ende der Schlucht, mit einem idyllischen kleinen See davor. Hier ist richtig viel Betrieb, umso mehr erstaunt uns die leere, frisch geteerte Straße Richtung Süden zum nächsten Touristenhighlight.

Der Dettifoss soll der größte Wasserfall Europas sein. Auch wenn er "nur" 45m hoch ist, die donnernden Wassermassen und die anschließende tiefe Schlucht der Jökulsá Richtung Norden inmitten einer grauen Steinöde sind schon sehr beeindruckend. Der Andrang hält sich zum Glück in Grenzen, sehr viele Fotografen mit Profiausrüstung, das Ganze wieder garniert mit einem Regenbogen. Wir sind froh die westliche Route am Fluss entlang genommen zu haben, durch den relativ weiten Weg vom Parkplatz zum Wasserfall nehmen die Reisebusse anscheinend eher die östliche Zufahrt.

Unsere Strecke führt uns südlich zurück zur Ringstraße und dann nach Westen Richtung Mývatn. Vor dem See biegen wir Richtung des geothermalen Kraftwerks Krafla ab. Durch dampfende (und stinkende) Schwefelfelder geht es zum Kratersee Víti, den man auf dem Kraterrand umrunden kann. Leider steht die Sonne schon so tief daß das leuchtende Blau vom Wasser nicht mehr richtig zur Geltung kommt.

Es dämmert schon als wir unsere Unterkunft in der Nähe von Laugar erreichen, eine kleine Hütte mit eigenem Hot Tub. Das Beste aber sind die Polarlichter die wir in der Nacht an einem noch fast wolkenlosen Himmel bestaunen können.

Tag 7 - Fahrt durch die Einöde

Der Tag beginnt mit schlechten Nachrichten: die Wettervorhersage wurde von schlecht (Sturm) auf ganz schlecht (schwerer Sturm mit Orkanböen und Kälteeinbruch) geändert... Nach kurzer Diskussion ändern wir unsere Pläne. Wir fahren schon einen Tag früher Richtung Ostküste da wir Angst haben ansonsten hier mehrere Tage festzusitzen. Die Straße über die Hochebene wird bei (Schnee-)Sturm regelmäßig komplett gesperrt. Wir haben noch Glück dass wir in unser Hotel in  Egilsstaðir schon einen Tag früher einchecken können.

Schweren Herzens verlassen wir unsere schöne Unterkunft und fahren zum Mývatn, der größte See Islands der eigentlich für sein mildes Klima bekannt ist. Wir machen bei Skútustaðir einen Rundweg durch die Pseudokrater (durch Dampfexplosionen über einen Lavastrom entstanden), hier ist es schon sehr windig und wir sind mit den Schafen allein.

Dann geht es weiter zu den im See stehenden Lavadomen bei Kálfaströnd und zu den "düsteren Burgen" Dimmuborgir. Diese bizarren Lavaformationen, teilweise bis zu 10m hoch, erinnern an verfallende Ruinen, bilden Torbögen, Brücken und geheimnisvolle Skulpturen. Immer wieder fühlt man sich von seltsamen Gestalten beobachtet. Wir könnten hier Stunden verbringen, wenn uns nicht der Sturm im Nacken säße...

Uns führt die Route weiter über die Hochebene Jökuldalsheiði. Das Fahren wird hier schon anstrengend, der Sturm ist inzwischen so stark dass die Straße für Busse und LKWs gesperrt ist. Bei einer Pause an einem Aussichtspunkt können wir uns kaum auf den Beinen halten. Wir schauen dass wir weiterkommen und machen vor Egilsstaðir nur noch an einem kleinen Wasserfall halt. Nachdem wir unser Hotelzimmer bezogen haben können wir uns noch eine sehr gute Pizza im Ort.

 

Tag 8 und 9 - Im Auge des Sturms

Einen kompletten Tag sitzen wir fest. Alle Straßen die aus der Stadt rausführen sind gesperrt. Das einzig Gute ist dass Egilsstaðir relativ geschützt in einem Tal liegt, so müssen wir uns zumindest um unser Auto auf dem Parkplatz keine Sorgen machen. Für den nächsten Tag wird die Öffnung der Straße Richtung Ostküste immer weiter verschoben. Auch diese führt über einen Pass, und dort hat es wohl kräftig geschneit.

Am nächsten Tag hängen wir total in der Schwebe. Wir müssen aus dem Hotel raus, aber es ist nicht sicher wann die Straßen wieder offen sind. Zum Glück finden wir in einem anderen Hotel etwas Außerhalb ein Zimmer für eine weitere Nacht. Und da der Wind etwas nachgelassen hat beschliessen wir noch eine kleine Wanderung zum Hengifoss zu machen, bis dorthin sind die Straßen frei. Am Parkplatz merken wir dass wir nicht als Einzige hier in der Gegend gestrandet sind. Er ist komplett voll, viele scheinen hier sogar übernachtet zu haben. 

Auf dem Weg den Berg hinauf wird es immer windiger und ungemütlicher. Wir kommen am Litlanesfoss vorbei und sehen dann von weiten den Hengifoss - bzw. das was übrig geblieben ist, das Wasser ist komplett eingefroren. Da auch wir langsam einfrieren treten wir den Rückweg an und wärmen uns in der Stadt in der uns schon bekannten Pizzeria auf.

Im Hotel angekommen treffen wir wieder einmal auf die uns schon bekannte Reisegruppe - inklusive deutschsprachigen Aushang dass auch deren Weiterfahrt sich auf unbestimmte Zeit verzögert. Die Straße soll am folgenden Tag erst einmal nur für PKWs freigegeben werden... Und ich bin sehr froh über das Organisationstalent meiner Frau, die sich um die ganzen Hotelumbuchungen kümmert.

 

Tag 10 - Entlang der Ostfjorde zu den Gletschern

Endlich kann unsere Fahrt weitergehen. Die Passstraße ist für den (PKW-)Verkehr freigegeben, das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Da wir durch den Sturm viel Zeit verloren haben müssen wir heute eine relativ lange Strecke zu unserer nächsten Unterkunft fahren, es bleibt also leider nicht so viel Zeit für lange Fotostops.

In den Bergen liegt überraschend wenig Schnee, dafür noch um so mehr Eisreste auf der Straße nach Reyðarfjörður. Von hier aus geht es kurz durch einen Tunnel, dann windet sich die Straße für die nächsten Stunden entlang der Fjordküste. Diese Gegend ist sehr dünn besiedelt, nur vereinzelt sind kleine Gehöfte zu sehen. Die Straße ist entsprechend schmal und kurvig, die Brücken meistens nur einspurig. Zügiges Fahren ist also nur bedingt möglich.

Im ersten größeren Ort Djúpivogur vertreten wir uns etwas die Beine, dann machen wir noch am schwarzen Strand von Lækjavik einen Halt. Irgendwer hat hier ein Mordstrumm Felsen direkt am Wasser stehen gelassen. Weiter geht es nach Höfn zum Mittagessen. Den Besuch von Stokksnes mit Blick auf das Vestrahorn müssen wir aus Zeitgründen leider streichen.

Hinter Höfn sehen wir die ersten Gletscher am Horizont, wir fahren weiter bis zum bekannten Gletschersee Jökulsárlón. Auf der Straße ist jetzt deutlich mehr Verkehr, am Gletschersee müssen wir auf den Parkplatz an der gegenüberliegen Straßenseite ausweichen. So viele Menschen haben wir lange nicht mehr gesehen, der touristischen Süden von Island ist erreicht. Wir bestaunen erst die auf dem Gletschersee treibenden Eisberge mit ihren unterschiedlichen Blautönen, dann die glitzernden Eisstücke auf dem schwarzen Lavastrand gegenüber.

Kurz vor Sonnenuntergang machen wir noch einen Abstecher zum kleineren Gletschersee Fjallsárlón. Hier geht es deutlich entspannter zu, wir sind fast die einzigen Besucher. Die Eisberge sind etwas kleiner, dafür ist man näher an der Abbruchkante vom Gletscher. Wir genießen hier die Abendstimmung, auf der Fahrt zu unserem Fosshotel Glacier Lagoon wird es dann schon richtig dunkel.

Tag 11 - Wandertag

Heute ist Wandertag, zwei Canyons und ein Nationalpark stehen auf dem Programm. Zum Glück spielt auch das Wetter noch mit, es sind angenehme 10 Grad und Sonne mit Wolken. 

Zuerst geht es zum relativ wenig bekannten Múlagljúfur-Canyon. Hier gibt es nur einen kleinen Parkplatz der über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Obwohl wir sehr früh dran sind sind wir nicht die ersten, es scheinen hier sogar Leute  übernachtet zu haben. Durch eine wunderschöne Heidelandschaft geht es hoch zum Canyonrand, unterwegs treffen wir nur wenig andere Wanderer. Oben haben wir fantastische Ausblicke in die Schlucht und auf einen Wasserfall. Für uns ein perfekter Auftakt für den Tag: alleine in einer wilden Landschaft mit imposanten Ausblicken und Sonnenschein.

Weiter geht es zum Skaftafell-Nationalpark mit dem bekannten Svartifoss. Hier ist deutlich mehr Betrieb, ein riesiger gebührenpflichtiger Parkplatz, die ersten Reisebusse aus Reykjavik sind auch schon angekommen. Auch auf dem breiten, bestens ausgebauten Wanderweg geht es zu wie am Stachus. Der Blick auf den Svartifoss-Wasserfall mit seinen schwarzen Basaltsäulen ist zwar schön, aber so richtig entspannend ist es nicht mit den Menschenmassen. Nun gut, wir sind auch ein Teil davon, und in den nächsten Tagen wird es nicht wirklich besser...

Auch am nächsten Halt sind wir nicht allein unterwegs. Der Fjarðrárgljúfur in der Nähe von Kirkjubæjarklaustur wird von uns Biber-Canyon genannt da er durch ein Musikvideo von Justin Biber bekannt wurde. Seitdem drängeln sich auch hier die Touristen, einige Bereiche mussten schon abgesperrt werden um die Natur und auch die Besucher zu schützen. Es scheint kein Fleckchen zu dicht am Abgrund zu sein für ein Selfie vor der traumhaften Schlucht...

Danach geht es durch die Geröllwüste des Mýrdalssandur, einer durch Gletscherläufe unbewohnbar gewordenen Landschaft, weiter nach Vík í Mýrdal. Wir gehen zum schwarze Strand mit den Lavasäulen von Reynisdrangar im Hintergrund. Kurz hinter dem Ort ist unsere nächste Unterkunft, und da am nächsten Tag wieder Regen angesagt ist fahren wir im Abendlicht noch zum Reynisfjara-Strand. Trotz der späten Stunde sind auch hier noch einige Leute unterwegs, und wir beobachten amüsiert wie sich einige in der unberechenbaren Brandung nasse Füsse holen. Leider gab es hier durch große Wellen auch schon Todesfälle, wir sehen trotzdem mehrere Kinder direkt am Wasser spielen. Wir genießen noch den Sonnenuntergang hinter dem Kap Dyrhólaey bevor es zurück zu unserem kleinen Häuschen geht.

Tag 12 - Wassertag

Heute wird es mal wieder sehr feucht. Nicht weil wir Baden gehen, sondern weil der Wetterbericht recht behält. Es regnet fast den ganzen Tag, zudem besuchen wir zwei große Wasserfälle.

Los geht es mit einem Abstecher zum Kap Dyrhólaey. Es regnet in Strömen, die Sicht ist stark eingeschränkt, dafür sind wir auch die einzigen Besucher. Wir sehen zwar nicht das große Felsentor - da stehen wir quasi drauf - aber ein kleineres und hören nur die Brandung und das Schreien den Möwen. Eine sehr schöne mystische Stimmung.

Unser Weg führt uns weiter zu zwei großen Wasserfällen, beide mit großen Parkplätzen und Besucheransturm. Zuerst zum Skógafoss, zu dessen Fuß man hinlaufen kann. Sehr feucht, aber es regnet eh immer noch sehr stark. Dann weiter, unterhalb vom seit 2010 bekannten Eyjafjallajökull entlang, zum Seljalandsfoss. Hier kann man sogar auf einem rutschigen Pfad hinter dem Wasserfall entlanggehen. Noch feuchter, aber siehe oben...

Nach dem vielen Wasser von oben gönnen wir uns in Selfoss eine gscheite Pizza, dann biegen wir von der Ringstraße ab und fahren Richtung Geothermalgebiet Haukadalur. Hier gibt es den Großen Geysir, der seiner Gattung den Namen gab, aber zur Zeit nicht mehr Ausbricht. Dafür ist der Strokkur sehr verlässlich alle 10 - 20 Minuten aktiv , und es gibt noch einige heiße Quellen in verschiedenen Farben. Ein sehr interessantes Gebiet, allerdings deutlich kleiner als der Yellowstone in den USA.

Schließlich fahren wir ein stück zurück nach Reykholt, wo wir uns für zwei Nächte ein kleines Häuschen mit Outdoor-Pool gemietet haben.

 

Tag 13 - Der Golden Circle

Heute ist wieder ein regenfreier Tag und wir nehmen den Golden Circle in Angriff, also die Route mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten die fast jeder Island-Besucher macht. Die meisten Touristen starten dafür in Bussen von Reykjavik aus, die alle morgens starten und im Uhrzeigersinn fahren. Wir können uns also ungefähr ausrechnen wann wo am meisten Betrieb ist und versuchen etwas gegen den Strom zu schwimmen.

Da unsere Unterkunft am östlichen Rand vom Golden Circle liegt und wir das Geothermalgebiet schon gestern nachmittag besucht haben starten wir erst mal Richtung Süden. Unser erstes Ziel ist der Krater Kerið. Da dieser Schlackekrater sich in privaten Besitz befindet muss man hier Eintritt zahlen. Dafür kann man von einem Rundweg oben auf dem Krater den Kontrast zwischen grün-blauen Kratersee und roten, grün bewachsenen Kraterrand genießen.

Weiter geht es zum Þingvellir-Nationalpark, der sowohl geografisch als auch historisch interessant ist. Zum einen sieht man hier sehr deutlich die Abbruchkanten der auseinander driftenden amerikanischen und europäischen Kontinentalplatten, zum anderen ist dieses Gebiet sozusagen der Geburtsort der Demokratie. Zuerst besuchen wir die am östlichen Rand vom Nationalpark gelegene "europäische" Abbruchkante Hrafnagjá, die etwas schräg steht und dadurch nicht so eindrucksvoll wie die westliche Kante ist. Die dazwischen liegende ca. 7km breite Senke ist mit vielen Spalten durchzogen und weitet sich jährlich um etwa 1-2cm.

Danach fahren wir zur westlichen "amerikanischen" Kante Almannagjá (Allmännerschlucht). Hier tagte im Jahr 930 zum ersten Mal der Althing, eine Versammlung der isländischen freien Männer (!) um Gesetze zu erlassen und Gericht zu halten. Eine Wanderung durch dieses Gebiet ist absolut beeindruckend, insbesonders der Öxarárfoss und die vielen Spalten nördlich vom Þingvallavatn haben uns fasziniert. Bei der Planung der Reise hatten wir sogar überlegt in der Silfra-Spalte eine geführte Schnorcheltour zu machen, als wir vor Ort den Andrang an der Spalte und die sehr kurze Strecke sehen sind wir doch froh es nicht gebucht zu haben.

Da wir in Þingvellir sehr viel Zeit verbracht haben sind wir jetzt hinter der Hauptreisegruppe unterwegs und kommen problemlos zum Gullfoss, einen mächtigen Wasserfall. Hier kommt die Hvítá aus dem Hochland und stürzt in zwei Stufen, die fast im 90° Winkel zueinander stehen, in die 70m tiefe Schlucht Hvítárgljúfur. Danach haben wir es nicht mehr weit bis zu unserem Häuschen, wo wir den Abend im Outdoor-Pool beenden.

Tag 14 - Reykjavík

Unsere Reise nähert sich langsam dem Ende. Heute geht es noch mal in die bunte Hauptstadt Reykjavík. Damit wir nicht zu früh vor unserer dortigen Unterkunft stehen machen wir noch einen Abstecher entlang der þjórsá, dem längsten Fluss Islands. Insbesondere der Hjálparfoss hat es uns angetan, ein zweigeteilter Wasserfall der sich wunderschön in ein rundes Becken stürzt.

Weiter geht es südlich bis zur Ringstraße und dann nach Westen Richtung Reykjavík. Unterwegs machen wir Halt in Hveragerði. Hier gibt es saugute Pizza und eine kleine Wanderung ins Reykjadalur mit heißen Quellen und einem Wasserfall.

In Reykjavík angekommen beziehen wir erst unsere Unterkunft, dann geht es in die Innenstadt, diesmal bei trockenem Wetter. Wir schlendern durch die bunten Gassen, staunen über die vielen Wandmalereien und besuchen natürlich auch noch mal die Hallgrímskirkja mit der Statue von Leif Eriksson.  Diesmal sind deutlich mehr Menschen unterwegs, auf der Flaniermeile Laugavegur geht es zu wie in einer richtigen Großstadt, Scharen von Vergnügungslustigen sorgen für ordentlich Trubel. Ruhiger ist es am See Tjörnin (der mich ein wenig an die Alster in Hamburg erinnert...)  und auf dem alten Friedhof, wo wir finden was wir lange vermisst haben - Bäume und Vogelgezwitscher. In der Abenddämmerung ist dann noch ein Besuch der Wikingerschiffskulptur Sólfar Pflicht.

Tag 15 - Halbinsel Reykjanes

Heute ist unser letzter Tag. Da der Flieger erst am späten Nachmittag geht haben wir noch Zeit für eine Rundfahrt über die Halbinsel Reykjanes auf der auch der Flugplatz liegt. Als erstes geht es entlang des Sees Kleifarvatn zum  Geothermalgebiet Seltún. Hier kann man auf Holzstegen die zischenden und stinkenden Gasaustritte sowie die brodelnden Schlammtöpfe erkunden.

Auf der Fahrt Richtung Westküste machen wir in der Hafenstadt Grindavík Halt. Bei unserem Besuch war es noch ein hübscher kleiner Ort, inzwischen leben hier fast keine Menschen mehr, bei den Lavaausbrüchen 2024/25 wurden zahlreiche Häuser zerstört, tiefe Erdspalten durchziehen das Gebiet. Hinter Grindavík beginnt eine wilde Küstenlandschaft, wir besuchen das nur für Trolle zum Baden geeignete Felsloch Brimketil. Angesichts der tosenden Wellen kann man kaum glauben dass auch schon einige Touristen hier baden wollten. Selbst auf der erhöhten Aussichtsplattform wird nach uns eine Besuchergruppe von Wellen nachhaltig geduscht.

Weiter geht es zur Südostspitze von Island mit dem Leuchtturm Reykjanesviti und dem Geothermalgebiet Gunnuhver. Am Kap Reykjanes stehen bizarre Lavafelsen inmitten tosender Brandung, in den Klippen nisten im Frühjahr zahlreiche Seevögel. Im Geothermalgebiet dampft und zischt es wieder gewaltigt, ein Teil der hier vorhandenen Energie wird in einem Geothermalkraftwerk genutzt. Ein paar Kilometer weiter gibt es das nächste Zeugnis der auf Island regierenden gewaltigen Erdkräfte: ein kleines Tal zeigt den Riss zwischen den Kontinentalplatten, symbolisch markiert durch die "Brücke zwischen den Kontinenten", die die beiden Talseiten verbindet.

Auf der Weiterfahrt zur Nordwestspitze von Reykjanes kommen wir noch an der einsamen Steinkirche von Hvalsnes vorbei, in der Nähe stehen einige Islandpferde auf der Weide. Auf der Landspitze von Garðskagi endet die Straße. Zwei Leuchttürme, darunter der Höchste Islands, markieren hier das Ende von der Halbinsel und auch von unserer Reise. Wir essen noch etwas im Restaurant vom Heimatmuseum (mit erstaunlich vielen Pflanzen im Speisesaal), dann geht es für uns nach Keflavik, wo wir unser Auto abgeben und von einem netten Mitarbeiter der Verleihstation zum Flughafen gebracht werden.

Beim Abflug verschwindet die raue Landschaft Islands schnell hinter Wolken, aber die Eindrücke dieser grandiosen und wilden Insel werden uns noch lange erhalten bleiben...

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